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07.09.2019, 15:45 Uhr
RZ-Gespräch mit dem heimischen CDU-Bundestagsabgeordneten Erwin Rüddel über die Herausforderungen künftiger Gesundheitspolitik in der Region
Kreis Altenkirchen. - Gesundheit ist ein Thema, das alle angeht – spätestens, wenn diese durch Krankheit bedroht wird. In kaum einem anderen Bereich tun sich in dem kommenden Jahren so viele Baustellen auf, vor allem auf dem Land. Kein Wunder also, dass der heimische MdB Erwin Rüddel (CDU) froh ist, dass man ihn damals in den Gesundheitsausschuss gewählt hat und nicht, wie er sich zu Beginn seiner Zeit in Berlin wünschte, in den Verkehrsausschuss. Heute ist er dessen Vorsitzender und tief drin in der Materie.
Entsprechend hat er sich etliche Gedanken zum Thema Krankenhausneubau gemacht. Fest steht für ihn: „Das Ding muss passen, sonst haben wir nachher gar nichts.“ gemeint ist damit, dass Rüddel alle Beteiligten auffordert, bei der Planung lieber zweimal hinzusehen und zu überlegen. „Das Konzept des Hauses muss tragen.“ Das geht los bei der Größe. Bislang kommen die beiden Standorte Altenkirchen und Hachenburg zusammen genommen auf rund 320 Betten. Bei einem Neubau sollte sowohl bedacht werden, dass eine Förderung zwar von einer Bettenreduktion abhänge, jedoch zu kleine Häuser laut Experten nicht wirtschaftlich arbeiten könnten. „Etwa 300 Betten ist das Minimum“, so Rüddel. Er spricht sich auch eindeutig für einen Standort ohne Geburtshilfe aus. „Die Geburtshilfe sollte ganz nach Kirchen gehen, wo es auch die Anbindung an die Kinderklinik gibt.“ Im neuen, noch zu bauenden Krankenhaus sieht der CDU-Mann die Grundversorgung über die Bereiche Innere, Chirurgie und Geriatrie gesichert. Doch das Zauberwort heißt auch hier „Spezialisierung.“

„Wir sollten in der Region so viele Kompetenzen aufbauen wie möglich.“ Auch ist Rüddel dafür, endlich das noch allerorts betriebe Kirchturmdenken abzuschaffen. „Ich glaube, die Versorgung wird in Zukunft nur über Kooperationen gehen.“ Will heißen, auch unterschiedliche Träger müssten sich zusammentun und gemeinsam schauen, dass man sich in einem Gebiet nicht gegenseitig das Wasser abgräbt.

Der neue Standort – Rüddel favorisiert da ebenfalls einen Neubau im Bereich Kroppach/Bahnhof Ingelbach – sollte strategisch auch mit der KV abgestimmt werden, um die ambulante Versorgung auszubauen. Angeschlossene MVZ würden eher dem Bedürfnis junger Mediziner nach einer Anstellung nachkommen. „Medizinische Versorgungszentren sehe ich auf jeden Fall im Dunstkreis der Krankenhäuser“, betont der Gesundheitsexperte. Auch sollte der Notfallbereich im Krankenhaus kanalisiert werden. Unter einer zentralen Nummer, statt wie bisher zweien, sollen Patienten, geht es nach Rüddel, eine qualifizierte Person aus dem medizinischen Bereich am Apparat haben, die, mit Hilfe entsprechender Software, entscheiden kann, ob der Betroffene ein Fall für den hausärztlichen Notdienst oder das Krankenhaus ist. Generell will Rüddel die Mediziner sowohl in den Kliniken, als auch in den Praxen entlasten. „Wir haben immer weniger Arztpotenzial.“

Auch deshalb ist für ihn der Ausbau hin zum G 5-Netz ein großes Thema, welches in enger Verbindung zur Zukunft der medizinischen Versorgung der Menschen auf dem Land steht. Stichworte sind hier die Telemedizin, das elektronische Rezept, welches ab 2020 schon Wirklichkeit wird, sowie (noch Zukunftsmusik) irgendwann einmal die Steuerung von Robotern vor Ort durch medizinische Experten aus der Ferne. „Ich durfte dabei sein, wie der daVinci-Roboter eine Prostataoperation durchgeführt hat. Der Chirurg saß mehrere Meter weiter hinten und hat den Roboter geführt und am Ende sind Komplikationen wie Inkontinenz oder Impotenz minimiert“, so Rüddel, den die neuen Möglichkeiten der Technik auf diesem Gebiet begeistern.

Auch die Gemeindeschwester ist für ihn ein wichtiger Baustein in der Versorgung vor allem älterer Menschen auf dem Land – auch im Hinblick auf die Schwierigkeiten mit dem ÖPNV. Generell, da ist Rüddel sehr deutlich, müsste es ein Bundesinstitut der Länder geben in Sachen Krankenhausplanung. Also auch hier über Grenzen denken, aber mit der Kompetenz derjenigen, die vor Ort die unterschiedlichen Problematiken am besten bewerten können.

Doch zurück zum Hier und jetzt und der aktuellen Fragestellung nach dem Krankenhausneubau. Diesen hält Rüddel mittlerweile für die richtige, vielleicht die einzige Lösung und steht mit seiner Meinung nicht allein da. „Alle Personalvertreter stehen hinter dem neuen Konzept, die Leute wurden aber bei der Planung von Anfang an mitgenommen, anders, als vor fünf Jahren.“ Es gelte jetzt „den Spagat zwischen Flächenversorgung und Spezialisierung hinzubekommen.“

Nichtsdestotrotz ist er dafür, dass man am bestehenden Numerus Clausus sägt, denn „auch mit einem Zweierdurchschnitt im Abitur kann ich ein guter Mediziner sein.“ Allerdings könne man ja frühestens in zwölf Jahren mit den neuen Ärzten rechnen, wenn diese nun das Studium aufnähmen. Da aber gerade der Landarzt im Schnitt die 50 überschritten hat und allein im Kreis Altenkirchen in den kommenden Jahren fast die Hälfte der niedergelassenen Hausärzte das Rentenalter erreiche, gelte es, nun zu handeln und ein Konzept vorzulegen, dass langfristige Lösungen bietet. das betrifft auch den Krankenhausneubau. „Es darf nicht sein, dass das Haus in zehn Jahren schon wieder rote Zahlen schreibt.“

Was die Finanzierung angeht, so ist sich Rüddel sicher, dass die von Ministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler in Aussicht gestellten 90 Prozent Förderung durchaus realistisch sei. „Angenommen wir gehen von einem Volumen von 100 Millionen Euro aus: Das Land müsste 50 Prozent des Bauvolumen zur Verfügung stellen, vom Strukturfonds kämen, wenn alle mitziehen, zwei mal 23 Millionen. das wären ungefähr die 90 Prozent.“

Wichtig sei, so Rüddel, dass nun alle an einem Strang zögen: Kommunal, auf Landes- sowie Bundesebene. „Alle sind sich der Dramatik der Entscheidung des Trägers bewusst. Es muss eine neue Lösung her, sonst zieht sich der Träger auf Sicht ganz aus der Region zurück.“ Gingen nun aber solch hohe Summen aus dem Strukturfonds zwei Jahre in Folge Richtung Kreis Altenkirchen, müssten auch andere Regionen im Land mitspielen. Doch hier sagt Rüddel: „Mein Bauchgefühl sagt mir, wenn das Land ein Signal gibt, sich für zwei Jahre auf Altenkirchen und Hachenburg zu konzentrieren, würde das auf Akzeptanz stoßen.“

Zum Schluss setzt Rüddel auch im Hinblick auf die demografische Entwicklung noch einmal den Fokus auf den Bereich Pflege. So könnten etwa die beiden alten Standorte zu Seniorenheimen oder Betreutem Wohnen ausgebaut werden. Zumal an beiden Standorten bereits Seniorenzentren angedockt sind. Gerade im Bereich Intensivpflege sieht Rüddel da auch noch Nachbesserungsbedarf bei der Politik. „Das Heim darf nicht so viel mehr kosten wie die ambulante Pflege“, fordert er.

Im Bild: MdB Erwin Rüddel war als Gesundheitsexperte zu Gast in der Altenkirchener RZ-Redaktion, um sich den Fragen von Redaktionsleiter Markus Kratzer und Redakteurin Sonja Roos zu stellen
Foto: Heinz-Günter Augst

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